COFFEE: Gegen den Brunch-Boredom

von Roberta Fischli

Coffee Foto

Brunchreservationen in Zürich stauen sich bis an den Gotthard; die Gastronomen müssen sich nicht mal mehr bemühen. Und sie tun’s auch nicht. Brunch ist überall gleich, überall teuer. Die Zopf-Käse-Fleisch-Kombo im Sprüngli kostet inzwischen gleich viel wie ein Kronenhalle-Geschnetzeltes.

Eigentlich hatte es vielversprechend begonnen. Vor gut einem Jahrhundert schrieb der Brite Guy Beringer ein Plädoyer für Brunch. Ein Tratschtisch für Verkaterte, die ihre Abenteuer aus der Vornacht ausplaudern wollen – begleitet von einem Mahl, das sich von leichtem Teegebäck zu magenfüllenden Fleischgerichten steigert. Der Schriftsteller wurde erhört. Doch was folgte, war ein Drama: Brunch wurde erst legendär, dann inflationär. Beringers kulinarisches Crescendo wurde unter Einheitsbrei begraben.

Wir kennen nur ein Lokal in der Stadt, das den Beringer-Brunch würdigt; es ist die einzige Bruncheinladung, die wir nicht ausschlagen. Das Coffee an der Grüngasse, jeden Samstagmorgen. Ohne Reservationen, dafür mit ausgeklügelten Gerichten und exotischer Kaffeeauswahl. Das Lokal ist so winzig, es braucht kein Servicepersonal; die fünf Tische werden direkt vom Barista-Meister (Shem Leupin, Stoll Café) und Koch Thomas Leuenberger (ex-Mesa, ex-Widder) bedient. Das Essen wählst du nicht aus, sondern lässt Thomas einfach machen. Es ist der Brunchort, an dem heimische Profiköche ein- und ausgehen.

Für 23 Franken kriegten wir ein Randentatar mit Kartoffelespuma, Nüssen und Kapern vorgesetzt, dazu Eggs Benedict und Toast. Es schmeckte vorzüglich. Wir blieben drei Stunden sitzen und haben uns Geschichten vom Vorabend erzählt.

COFFEE, Grüngasse 4, 8004 Zürich
Mo bis Fr 7.30 – 19, Sa 9 – 18

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