Libanon Il Achdar: Die Theke der Levante

von Roberta Fischli

Die Libanesen gelten als das Volk der erfolgreichen Weggewanderten: Carlos Slim, einer der reichsten Männer der Welt, hat libanesische Wurzeln, genauso wie Swatch-Gründer Nicolas Hayek, und – so wird gemunkelt – DJ Antoine. Auch Moukhtar Atrisi lebt seit 25 Jahren als Exil-Libanese; er führt den Libanon Il Achdar hinter dem Hauptbahnhof. Dort, so wurde uns gesagt, gibt es den besten Schawarma der Stadt.

Der Schawarma ist sowas wie der arabische Sohn des türkischen Döners. Wo immer das Osmanische Reich sich ausbreitete, wurde Fleisch am Spiess mitgebracht: Der griechische Gyros, der irakische Kas, der mexikanische Taco al Pastor – sie alle gehen auf den Döner zurück. Auch die Menschentraube vor der Imbisstheke des Il Achdar könnte aus ein und derselben Familie sein. Wir fühlen uns wie an einer UNO-Versammlung der Levante: An der Wand hängen arabisch geschriebene Inserate, draussen stehen Audis und BMWs. «Yalla!»-Rufe hallen durch den Raum, die Luft trieft förmlich vor Öl. Vier Männer in roten Polohemden arbeiten im Eiltempo Bestellungen ab. Alles wirkt hektisch, aber organisiert: Es ist der Nahe Osten, eingebürgert in der Schweiz.

Kein Wunder gibt es hier Regeln, die den Folgsamen belohnen. Deshalb: Bestell deinen Schawarma immer vom Spiess. Halte dich daran, und du kriegst für 8 Franken einen schmackhaften Mittagssnack mit knusprig-warmer Pita, saftigem Fleisch, Gurken, Pommes, und Tahinisauce. Mach dein eigenes Ding, und wenn du Pech hast, kaust du dich durch zähes Rindfleisch oder gummiges Poulet.

Keine Regel, aber ein diplomatischer Tipp: Sag deine Meetings und Dates für den Rest des Tages ab. Der Knoblauch in der Sauce hinterlässt einen bleibenden Eindruck auf alle, denen du in den nächsten fünf Stunden begegnest – und da sind genug Zwiebeln im Schawarma, um selbst den letzten Geparden aus dem libanesischen Hochland zu jagen.

LIBANON IL ACHDAR, Hafnerstrasse 13, 8005 Zürich
Mo bis So 11 – 8

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