Patrizia Fontana: Emporio Ravioli

von Roberta Fischli

Ravioli retteten unser Studium. Sie sind einfach zu bedienen, innert Minuten zubereitet. Ein anspruchloses Gericht, bei allen willkommen, die mit knappem Budget in die eigene Wohnung ziehen, nicht mehr alles bei den Eltern nachfragen können und dem Unistoff ein halbes Semester hinterherhinken. Wir kochten Ravioli in Lernpausen, vor dem Training, nach dem Ausgang. Es war das Nationalgericht unseres Bachelorstudiums.

Diese Zeiten sind vorbei. Heute wirken Ravioli plump. Zu wenig Kochschritte, zu stark in der Kategorie Fertigpizza. Wenn uns ein Date zu Hause zum Dinner einlädt und wir dann nur einen Teller Ravioli mit Käse serviert bekommen, sind wir schnell wieder weg. Mit zwei Ausnahmen: Die Ravioli sind selbst gemacht. Oder sie kommen von Patrizia Fontana. Fontanas Ravioli sind mehr als nur sozial akzeptiert, sie sind sozial respektiert: Wir sind an Menütafeln von Zürcher Restaurants vorbeigefahren, an denen ihre Ravioli in grossen Lettern angepriesen werden. Unsere Tante fährt extra nach Zürich, nur um sich bei Patrizia Fontana Ravioli zu holen.

Das Fontana Delikatessengeschäft im Kreis 6 sieht von aussen aus wie jene kleinen, unscheinbaren Quartierlädeli, die vor unserem fünften Geburtstag ausgestorben sind. In den Regalen links und rechts türmen sich eingelegte Artischocken, Olivenöl und Pomodori secchi. Die Theke vor uns ist voll von kleinen Körbchen mit verschiedenen Ravioli: Tomaten, Zitronen, Artischocke, Aubergine, Rucola, Brasato. Einige davon gibt es das ganze Jahr durch, andere variieren saisonal. Sie sehen genau so frisch aus, wie sie gemacht sind.

Wir kaufen Artischocken, Aubergine und Lamm und essen uns an einem Sommerabend auf dem Balkon nacheinander durch die Sorten: Die Artischocken dezent im Geschmack, die Aubergine mit dem Ricotta schön cremig. Das Lammfleisch war uns etwas zu trocken. Aber selbst damit könnten wir noch ein Date bekochen, wenn wir auf Boris Blanks Rezept zurückgreifen und etwas Olivenöl, eine Knoblauchzehe und fein gehackte Datteltomaten mit Basilikum dazutun. Die Sauce des Yello-Musikers ist Fontana-approved, auf höchster Hierarchiestufe – Patrizia Fontana ist seine Ehefrau. Wenn es bei ihr klappt, klappt es auch bei allen anderen. Oh yeah.

 

PATRIZIA FONTANA, Scheuchzerstrasse 20, 8006 Zürich

Di bis Fr 9 – 18:30; Sa 8:30 – 16

 

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