Rafael Kouto: Open Source Couture

von Roberta Fischli

Vor einem halben Jahr hörten wir seinen Namen zum ersten Mal, bei der Ansage seiner Show an der Mode Suisse. Wir steckten einen seiner Sticker in unsere Tasche, vergassen ihn, und als wir ihn Wochen später wieder hervorkramten, fragte unser Gegenüber erstaunt: «Woher kennt ihr Rafael Kouto?»

Es ist ein eindunkelnder Dienstagabend, als Rafael Kouto am Eingang einer Industriehalle auf dem Stierli-Areal auf uns wartet. Seit Februar ist einiges geschehen: Kouto wurde an den Swiss Design Awards ausgezeichnet, war Teil der Sélection Mode Suisse und stellte während der Paris Fashion Week aus. Nach Alexander McQueen in London und Maison Margiela in Paris ist Zürich Seebach sein neuer Atelierstandort – mit seinem eigenen Label.

Kouto trägt ein schwarz-weisses, wild gemustertes Hemd, Jeans und grün-schwarz gestreifte Sandalen. Er erinnert uns ein wenig an Kid Cudi, oder Ludacris – nur ohne das grosse Maul. Er spricht zurückhaltend, lacht oft, führt uns etwas schüchtern durch sein Atelier. In einer Ecke stehen zwei Nähmaschinen, an der Wand lehnt ein Moodboard, auf dem Tisch an der grossen Fensterfront liegt die Helmut Lang-Ausgabe von 032c. Daneben stauen sich Kisten voll mit sorgfältig sortierten und katalogisierten Texaid-Kleidern.

Koutos Kleidungsstücke bestehen alle aus weggeworfenen Textilien, die er in Texaids Depots findet. «Texaid ist mein wichtigster Partner», sagt der Tessiner mit togolesischen Wurzeln. Kouto ist ein Upcycler, der Weggeworfenes nicht nur wiederverwertet, sondern etwas Besseres daraus macht, als es im Original war. Aus alten Hosen entstehen neue Mäntel, aus Picknickdecken Pullover, verfeinert mit Elementen aus Veloschläuchen, Schokopapier und knalligfarbigen Prints.

Es mag ironisch klingen, uns unsere entsorgten Kleider neu zu verkaufen, aber es ist alles andere als ein Scherz. Die Kleiderproduktion der Modeindustrie hat sich zwischen 2000 und 2014 verdoppelt; das meiste davon landet auf der Müllhalde. Selbst grosse Labels wie Polo Ralph Lauren, Missoni oder Vetements lassen inzwischen Second Hand-Stücke in neue Kollektionen einfliessen. «Upcycling macht nicht nur ökologisch Sinn. Es ist auch eine spannendere kreative Herausforderung, aus existierenden Kleidern neue Kollektionen zu entwerfen», sagt Kouto.

Bisher hat sich der Designer auf Couture konzentriert. Nun geht er weiter. «Ich möchte den Raum meines Ateliers erweitern, Wissen teilen und Einblicke in den kreativen Prozess und Methoden geben – Open Source Couture», sagt Kouto. Letzten Monat hat er auf seiner Website seine kommerzielle Kollektion aufgeschaltet, bei der Besucher Kleider, Hosen und T-Shirts mitgestalten und aus alten Textilien zusammensetzen können. Nächste Woche beginnt er, sein Wissen und seine Inspirationen an einem Workshop im Textilwerk Winterthur zu teilen.

kb.

UPCYCLING MIT RAFAEL KOUTO

Ab 9. Oktober 2018, Textilwerk Winterthur

 

Gern gelesen? Meld dich an!